Wann darf sich ein Whisky eigentlich Whisky nennen?

Wer eine Flasche Whisky kauft, erwartet ein hochwertiges Produkt mit Tradition und Charakter. Doch tatsächlich darf sich nicht jede Spirituose aus Getreide einfach „Whisky“ nennen. In vielen Ländern gibt es gesetzliche Vorschriften, die genau festlegen, welche Anforderungen erfüllt sein müssen.

Je nach Herkunftsland unterscheiden sich diese Regeln teilweise deutlich. Trotzdem gibt es einige Grundvoraussetzungen, die nahezu überall gelten.

Die entscheidenden Kriterien für Whisky

Von der Wahl des Getreides bis zur Reifung im Holzfass – jeder Schritt ist entscheidend. Entdecken Sie, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit ein Destillat die Bezeichnung Whisky tragen darf und welche regionalen Unterschiede es dabei gibt.


Die allgemeinen Voraussetzungen

Unabhängig vom Herkunftsland muss Whisky grundsätzlich folgende Kriterien erfüllen:

* Er wird aus Getreide hergestellt.
* Das Getreide wird vergoren.
* Die Maische wird destilliert.
* Der Alkohol reift über einen bestimmten Zeitraum in Holzfässern.
* Erst danach darf er als Whisky verkauft werden.

Welche Getreidesorten verwendet werden und wie lange die Reifung dauern muss, ist jedoch von Land zu Land unterschiedlich geregelt.

Scotch Whisky – Strenge Regeln aus Schottland

Scotch Whisky gehört zu den am strengsten geschützten Spirituosen der Welt. Die gesetzlichen Vorgaben sind in den Scotch Whisky Regulations 2009 festgelegt.

Ein Scotch Whisky muss:

* vollständig in Schottland hergestellt werden,
* aus Wasser, gemälzter Gerste (weitere Getreidesorten sind je nach Kategorie erlaubt) und Hefe bestehen,
* in Schottland destilliert werden,
* mindestens drei Jahre in Eichenfässern reifen,
* mit höchstens 94,8 % Vol. destilliert werden,
* mindestens 40 % Vol. Alkohol beim Verkauf besitzen.

Zusätzlich dürfen nur Wasser und Zuckerkulör (E150a) zur Farbangleichung zugesetzt werden.

Irish Whiskey – Dreifach destilliert? Nicht immer.

Viele Menschen glauben, irischer Whiskey müsse grundsätzlich dreifach destilliert werden. Tatsächlich ist das nur eine häufige Tradition, aber keine gesetzliche Pflicht.

Irish Whiskey muss:

* auf der Insel Irland hergestellt werden,
* aus Getreide hergestellt werden,
* mindestens drei Jahre in Holzfässern reifen,
* einen Alkoholgehalt von mindestens 40 % Vol. besitzen.

Die Schreibweise unterscheidet sich übrigens ebenfalls:

In Irland schreibt man Whiskey mit „e“.

Bourbon –

Amerikas bekanntester Whiskey

Bourbon – Amerikas bekanntester Whiskey

Bourbon zählt zu den bekanntesten Whiskeyarten der USA. Auch hier gelten klare gesetzliche Vorschriften.

Ein Bourbon muss:

* in den USA hergestellt werden,
* aus einer Maische bestehen, die mindestens 51 % Mais enthält,
* in neuen, ausgekohlten Eichenfässern reifen,
* mit höchstens 80 % Vol. destilliert werden,
* mit höchstens 62,5 % Vol. ins Fass gefüllt werden,
* mindestens 40 % Vol. Alkohol besitzen.

Interessant ist:

Für einen normalen Bourbon gibt es keine gesetzliche Mindestreifezeit.

Soll die Bezeichnung Straight Bourbon verwendet werden, muss der Whiskey jedoch mindestens vier Jahre gereift sein.

Tennessee Whiskey – Fast wie Bourbon

Tennessee Whiskey erfüllt nahezu alle Anforderungen eines Bourbons.

Zusätzlich muss er:

* im Bundesstaat Tennessee hergestellt werden,
* vor der Fasslagerung den sogenannten Lincoln County Process durchlaufen.

Dabei wird der frische Whiskey langsam durch mehrere Meter dicke Zuckerahorn-Holzkohle gefiltert.

Bekannte Vertreter sind Jack Daniel’s und George Dickel.

Canadian Whisky

Kanadischer Whisky unterscheidet sich in einigen Punkten deutlich von Scotch oder Bourbon.

Er muss:

* in Kanada hergestellt werden,
* mindestens drei Jahre in kleinen Holzfässern reifen,
* mindestens 40 % Vol. Alkohol besitzen.

Die kanadischen Vorschriften erlauben deutlich mehr Freiheiten bei der Herstellung als beispielsweise in Schottland.

Japanese Whisky

Lange Zeit gab es in Japan keine verbindlichen gesetzlichen Regeln. Dadurch konnten importierte Whiskys teilweise als japanischer Whisky verkauft werden.

Seit 2021 gelten deutlich strengere Richtlinien.

Ein japanischer Whisky sollte:

* in Japan hergestellt werden,
* in Japan destilliert werden,
* in Japan mindestens drei Jahre in Holzfässern reifen,
* mindestens 40 % Vol. Alkohol besitzen.

Diese Vorgaben orientieren sich stark am schottischen Vorbild.

Deutscher Whisky

Auch Deutschland produziert inzwischen hervorragende Whiskys.

Es existieren jedoch keine eigenen, so detaillierten gesetzlichen Regelungen wie für Scotch oder Bourbon.

Grundsätzlich gelten die europäischen Vorschriften für Whisky:

* Herstellung aus Getreide,
* Destillation unter 94,8 % Vol.,
* mindestens drei Jahre Reifung in Holzfässern,
* Mindestalkoholgehalt von 40 % Vol.

Viele deutsche Brennereien orientieren sich zusätzlich freiwillig an den schottischen Qualitätsstandards.

Warum unterscheiden sich die Regeln?

Jedes Land besitzt seine eigene Whiskytradition.

Während in Schottland die Gerste im Mittelpunkt steht, spielt in den USA Mais die Hauptrolle. Irland ist für besonders weiche Whiskeys bekannt, Kanada setzt häufig auf Roggen und Japan verbindet schottische Tradition mit höchster Präzision.

Gerade diese Unterschiede machen Whisky so spannend und sorgen dafür, dass jede Herkunft ihren eigenen Charakter besitzt.

Fazit

Ob Scotch, Bourbon, Irish Whiskey oder deutscher Whisky – alle müssen bestimmte gesetzliche Anforderungen erfüllen, bevor sie sich überhaupt Whisky nennen dürfen.

Die größten Unterschiede liegen in:

* der verwendeten Getreideart,
* der vorgeschriebenen Reifezeit,
* den Fassarten,
* den Herstellungsverfahren,
* den regionalen Vorschriften.

Genau diese Vielfalt macht Whisky zu einer der spannendsten Spirituosen der Welt und sorgt dafür, dass jede Flasche ihre eigene Geschichte erzählt.

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Dann besuche doch eins meiner Tastings, ich freue mich aucf dich.